Ein Leipziger Schriftsteller

Detektiv Nobody – Filme

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Ort der Dreharbeiten: Bioscop (Berlin, Chaussestr.)

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Eintrag der "Nobody-Filmgesellschaft m.b.H." in Berlin der Kochstr. 12 im Berliner Adreßbuch erschienen 1923.
Vorbemerkungen
Robert Kraft schrieb ab 1904 sein umfangreichstes Romanwerk "Detektiv Nobody's Erlebnisse und Reiseabenteuer", welches in 11 Bänden erschien. Obwohl er bereits nach Band 1 eine Schaffenskrise hatte, waren die Hefte so erfolgreich, dass der Verlag andere Autoren beauftragte frühere Texte von Kraft in die Geschichte einzubauen. Es wurden auch Texte anderer Autoren eingebaut. Ab Band 7 schrieb Kraft wieder alle Texte in Eigenregie. 1919 wurden die Hefte mit neuen Titelbildern aufgelegt. Der Verlag H.G. Münchmeyer G.m.b.H. verkaufte die Filmrechte. Für die Verfilmung wurde die Nobody-Film G.m.b.H. gegründet. Sie war eine Tochtergesellschaft der Progreß Film G.m.b.H.. 1921 erschien die 1. Episode "Der geheimnisvolle Passagier". Der Film wurde mit viel Aufwand vermarktet. Der H. G. Münchmeyer-Verlag startete am 5.11.1921 eine Nobody-Heftreihe, die für den Film bearbeitet war und im ersten Heft Filmbilder enthielt.
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Die Neue Kino Rundschau berichtete am 8.1.1921 auf der Seite 16, dass für das Verfilmungsrecht von Detektiv Nobody 120.000 Mark bezahlt wurden.
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Plakat "Der Riesenfilm in 52 Akten Nobody nach Robert Kraft von Paul O' Montis. (Nobody-Film G.m.b.H.)"
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Werbung im Filmheft 1 "Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer" bearbeitet von Paul O' Montis und John Halifx (Progreßfilm G.m.b.H.), Quelle: 1. Nobody Filmheft (1921)
Der Film hatte keine übliche Spielfilmlänge. Er lief als Kurzfilm und teilweise mit anderen Kurzfilmen zusammen.
Der Film sollte durch den Verkauf des „Nobody-Journals” getragen werden. Wer das Nobody-Journal kaufte, konnte das Rätsel lösen und den Antwortschein ausschneiden. Pro Woche wurden an 10 Personen 500 Mark verlost. Das Konzept, 52 Episoden zu zeigen, wurde nicht durchgehalten, deshalb fasste man den Entschluss, die Einzelfilme zu neuen Episoden zusammenzufassen. In der Sport im Bild von 1922 (Heft 14, S. 542) steht:
"Der Detektivfilm beherrscht den Spielplan in den Berliner Lichtspielhäusern. IN einer Sondervorführung sah man bei der Promo "Die Dame in Grau", in der Nobody (Sylvester Schäffer) wieder einmal Gelegenheit hat, den Scharfsinn eines Sherlock Holmes zu entwickeln- Dieser Sechsakter stellt die Fortsetzung der Nobody-Einakter dar, die nach fünfundzwanzig Wochen nicht weiter erscheinen konnten, weil technische Gründe gezeigt haben, daß es unmöglich ist zweiundfünfzig zusammenhängende kurze Filme im Laufe eines Jahres in Deutschland in ein- und demselben Lichtspielhaus vorzuführen. Der Film, den Josef Stein inszenierte, wird flott gespielt – außer Sylvester Schäffer vor allem Walter Dorre in einer gut gesehenen Charakterrolle, ferner Lotte Lorring, Paul Hansen und Joe Stöckel. Das Manuskript stammt von Peter Josef (Anm.: evtl. Peter Heuser?), ein Pseudonym, unter dem sich ein bekannter Filmindustrieller verbirgt, Die ansprechenden Bauten stammen von Theo Thaller."
Die Filme sind wohl bis Ende der 20er Jahre im Kino gelaufen.
Die Drehbücher wurden von Paul O'Montis, John Halifax, Peter Heuser (Pseudonym war Peter Josef, Karl Gerhardt und Rudolf Saklikower verfasst. Im Wikipedia-Artikel zu Paul O'Montis tauchen diese Dreharbeiten nicht auf. Montis war ein deutscher Sänger, Parodist und Kabarettist.
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Am 23.09.1921 fand die Premiere im größten Kino der Welt im „Sportpalast-Lichtspiele” in Berlin statt.
Die Zeitschrift "Der Film" berichtet in der Ausgabe 40 von 1921 auf den Seiten 15–17 mit den Schlagzeilen:
Die Uraufführung von "Nobody" hat Stattgefunden!
Hat "Nobody" zuviel versprochen? Nein!

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Dies ist die ursprünglich vorgesehene Liste der Titel. Jede Woche sollte eine Episode im Kino gespielt werden und das 52 Wochen lang. Die unten aufgeführten Episoden sind teilweise unter anderem Namen oder gar nicht gezeigt worden. Die Schwierigkeit ist, dass die Zensurbehörde nur den Titel „Nobody 1. Episode” usw. aufführt.

Episode 1: Der geheimnisvolle Passagier
Episode 2: Der Meister des Bluffs
Episode 3: Ein toller Abend im Atlantic
Episode 4: Das japanische Mysterium
Episode 5: 30 Sekunden vor dem Tode
Episode 6: Eine Million Falschgeld
Episode 7: Die Dame in Trauer
Episode 8: Wer ist Nobody?
Episode 9: Der Mann mit dem Spleen
Episode 10: Der Tyrann der Wüste
Episode 11: Die rächende Hand
Episode 12: Die Bande der Unsichtbaren
Episode 13: Der Hotelschreck
Episode 14: Die Frau um Mitternacht
Episode 15: Die Sonne von Transysaal
Episode 16: Flibustas Geheimnis
Episode 17: Der gelbe Drache
Episode 18: Die Irrfahrten des Cerberus
Episode 19: Die Pirateninsel
Episode 20: Der schwimmende Sarg
Episode 21: Schatten am Fenster
Episode 22: Die Hexe von Quito
Episode 23: Der Mann mit dem Teufelsblick
Episode 24: Das unheimliche Panoptikum
Episode 25: Professor Luzifer
Episode 26: Die seltsame Geschichte des Edward Scott
Episode 27: Der Brunnengeist
Episode 28: Der Herr der Unterwelt
Episode 29: Die Beichte eines Gehängten
Episode 30: Die Kosakenfürstin
Episode 31: Zwischen Himmel und Meer
Episode 32: Das Tal der dreizehn Frauen
Episode 33: Der Aztekenschädel
Episode 34: Der singende Gott
Episode 35: Die Schlangenbraut
Episode 36: Luzifer amüsiert sich
Episode 37: Das unterirdische Paradies
Episode 38: Die Hyänen des Mississippi
Episode 39: Der Richter von Jefferson

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Quelle: Pester Lloyd vom 2.10.1921, S. 11